Das
"Clavecin oculaire" des Jesuitenpaters Louis-Bertrand Castel (1688-1757)
Telemann hatte die "Augenorgel" des Paters Castel während seines Paris-Aufenthaltes besichtigen können. Jeder Taste der Klaviatur des Instruments war eine Farbe zugeordnet. Durch das Niederdrücken der Tasten wurden mittels einer Mechanik Farbtäfelchen in Bewegung gesetzt, die dann in kleinen Kästchen, Fächern oder auf bemalten Gläsern sichtbar wurden.
Dabei wurde jedem der 12 Halbtöne eines Oktavraumes jeweils eine der Spektralfarben zugewiesen. Die Farben der höher gelegenen Oktaven erschienen durch die Beimischung weißer Farbe blasser als die tiefer gelegenen.
Das Farbenspiel der bewegten Farbtäfelchen ergab eine "stumme Musik". Voltaire nannte es "die Musik für die Augen" und berichtete, daß Castel "Menuette und schöne Sarabandes" malte. Und er habe "Alle Gehörlosen von Paris ... zum Konzert eingeladen". Auch Diderot und Rousseau kannten das "berühmte" Klavier und verspotteten seinen Erfinder.

Telemann gibt in der Beschreibung den Brief eines Unbekannten wieder. Es ist aber denkbar, daß dieser Brief fingiert und Telemann seine eigenen Anschauungen wiedergibt. 1739 veröffentlichte er die Beschreibung in Hamburg, bereits 1742 druckte sie Lorenz Christoph Mizler unverändert in der Musikalischen Bibliothek ab. Castel übernahm die französische Übersetzung der Telemann-Beschreibung in sein Buch Optique des coleurs (Paris 1740). Dieses Buch erschien 1747 in deutscher Übersetzung in Halle als: Die auf lauter Erfahrung gegründetet Farben-Optik (nach H. Chr. Wolff).